30 Millionen Silberlinge
Zentrales Element vieler Reden war der Wortbruch von Manfred Ockel, der sich nahtlos in die Reihe der Wortbrüche rund um den Frankfurter Flughafen einreihe. Dieser hatte noch weniger Tage vor der Einigung mit Fraport versichert, den Klageweg bis zum Ende ausschöpfen zu wollen. Ebenso wurde auf die "Abweichler" verwiesen, durch die die Minderheitsregierung der SPD mit den Grünen verhindert wurde. In verhandelten Koaltionsvertrag war eine eindeutige Position zum Flughafenausbau fixiert, die das Ausschöpfen aller rechtlichen Möglichkeiten beinhaltet hatte.
Ebenfalls wurden Teile des Eckpunktepapiert erläutert. Hier wurde vor allem der Punkt kritisiert, dass in den Medien die Summe von 30,8 Millionen Euro als Gewinn für die Stadt Kelsterbach dargestellt wird, dabei müsse von dieser Summe der gesamte Schallschutz finanziert werden. Kelsterbach wird mit dem Verkauf ein Drittel seiner Fläche an die Fraport verkaufen - für durchschnittlich 2300€ pro Einwohner. Dieser niedrige Preis liegt unter anderem darin begründet, dass der Mönchswald als Bannwald forstwirtschaftlich nicht genutzt wird.

Auf wenig Gegenliebe stiess auch der Rechtsanspruch von allen Fraport-Mitarbeitern auf einen Kindergartenplatz in Kelsterbach - ein Recht das Kelsterbacher Bürger ebenfalls gerne für sich in Anspruch nehmen würden, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es keine Beschränkung des Anspruchs für Fraport-Mitarbeiter gibt. Theoretisch könnten also alle der über 30.000 Angestellten ihre Kinder in Kelsterbacher Kindertagesstätten unterbringen.
Monika Lege, Verkehrsexpertin von ROBIN WOOD, kritisierte das aktuelle Vorgehen der Fraport ebenfalls scharf: "Während im Regierungspräsidium Darmstadt offiziell über eine vorzeitige Besitzeinweisung verhandelt wurde und eine Enteignung der Stadt noch nicht einmal beantragt war, hat Bürgermeister Ockel ohne Not Gesundheit und Rechtsschutz der Kelsterbacher Bürgerinnen und Bürger verkauft".
Das Hauptsacheverfahren gegen den Flughafenausbei wird der Verwaltungsgerichtshof Kassel im Juni eröffnen. Durch den vorzeitige Verkauf hat Fraport nun die Möglichkeit, durch den Kahlschlag unumkehrbare Tatsachen zu schaffen.

Die vorzeigte Besitzeinweisung des Regierungspräsidium erlaubt ein Rodung auf "nur" 90 der fast 300 Hektar ehemaligem Bannwald. In der Kelsterbacher Stadtverordnetenversammlung hat die SPD bekanntermassen eine absolute Mehrheit. "Wir befürchten, dass für diesen Kuhhandel bereits eine Mehrheit organisiert wurde", so Lege weiter.
Immer wieder wurde auch daran erinnert, dass vor 10 Jahren alle Stadtverordneten einstimmig dafür waren, im Ausbaufall den Rechtsweg bis zum Ende auszuschöpfen. Der Stadtälteste Leo Spahn (diese Ehrenbezeichnug wurde ihm für 22 Jahre Tätigkeit als Stadtverordneter verliehen), fordete die Stadtverodneten archaisch auf, sie sollen sich jetzt "nicht wie Memmen, sondern wie Männer verhalten". Sicherlich waren dabei auch die Frauen miteinbezogen. Leo Spahn war bereits engagierter Ausbaugegner als die Startbahn West gebaut wurde und hatte sich auch um das Amt des Bürgermeisters beworben.

Nach der Abschlußkundgebung wurde die Demonstration im Kelsterbacher Wald fortgesetzt. Viele Demonstranten wollten auch das Waldcamp noch einmal besichtigen. Aufgrund teilweise akribischer Taschenkontrollen der Polizei heizte sich die Stimmung dort noch kurz auf, es kam aber zu keinerlei Zwischenfällen.
Ein kleines Schmankler zum Schluß: Das im Waldcamp geplante Konzert musste auf dem Parkplatz stattfinden.
Die Begründung dafür: Die Stadt Kelsterbach ist noch Besitzerin des Walds, und wenn durch Musikeinwirkung herunterfallende Äste Besucher verletzt hätten, könnte sie dafür verantortlich gemacht werden.
Weitere Bilder sind bei Flickr eingestellt.
Eine Abschrift eines satirischen Flugblatts ist hier zu finden.
P.S. Die Zukunft wird zeigen, ob die Unterzeichnung von Ockel als Teil einer Erlösungsgeschichte oder als "Stadtverrat" in die Kelsterbacher Annalen eingehen wird.
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