Deutschland, Vorratsdatenspeicherung, Bürgerrechte, Ueberwachung, Bildung, Open Access, DRM, informationelle selbstbestimmung, Landtagswahl, Bundestagswahl, Europawahl, 2009, 18.01. 2009

Filesharer sind Idioten

The Pirate Bay-LogoBevor jetzt das große Flamen beginnt, bitte erstmal weiterlesen. Ich meine hier natürlich nicht die, die Linux-Distros verteilen. Oder Creative Commons-Filme. Oder sonst irgendetwas legales machen. Ich meine diejenigen, die Inhalte gegen den Willen der Rechteinhaber im Netz verbreiten.

Manche Filesharer fühlen sich dabei wie moderne Robin Hoods, die von den Reichen nehmen und den Armen geben. Rebellen der Digitalität, die gegen die dunkle Seite der Rechteverwertung kämpfen. Mutige Kämpfer in den unbekannten Weiten des Netzes.

Aber mal unter uns Pfarrerstöchtern: Das Risiko sollte doch mittlerweile jedem bekannt sein. Ich wage einfach mal zu behaupten, dass jeder jemanden kennt, der bereits eine Abmahnung bekommen hat. Selbst wenn das bei dir nicht der Fall sein sollte, kennst du das Problem doch, oder? Die Deckelung auf 100€ in einem einfachen Fall, die ja jetzt erstmalig bestätigt wurde, reduziert das finanzielle Risiko, aber wofür das ganze?

Liebe Leute, denkt doch einfach mal kurz nach: Die Abmahner machen Jagd auf Uploader. Wenn ihr also umbedingt den neusten Hit von Lady Blabla wollt und ihr nicht die paar Cent gönnt, die sie bekommt, wenn ihr den Song bei iTunes ladet, dann saugt ihn halt bei YouTube. Nehmt denn 1-Klick-Hoster eurer Wahl. Verwendet XDCC. Schneidet ihn bei einem Internetradio mit. Es gibt so viele Möglichkeiten, ohne eine Abmahnanwalt durchzufüttern an Inhalte zu kommen...

Eines Tages werden die Abmahnanwälte dann sicher noch mehr Druck auf die wenigen verbliebenen Uploader ausüben und diese dann auch vom Netz nehmen. Und dann? Dann müssen wir warten, bis das Urheberrecht geändert wurde. Oder einer in unserer Clique muss der Dumme sein und Geld für Kunst ausgeben und wie kopieren die Daten dann. Eine 1,5 TB-Festplatte per Post verschickt hat eine Bandbreite von 5 MB/s bei einer Laufzeit von drei Tagen...

Noch besser fände ich es dann aber noch, Creative Commons- oder komplett freie Inhalte zu verteilen. Denn da wollen die Künstler sogar, dass man ihre Kunstwerke mit anderen teilt. Aber auch diese Künstler freuen sich, wenn sie von ihrer Arbeit leben können. Kunstwerke zu erstellen ist Arbeit. Und ich finde es toll, wenn Menschen von ihrer Arbeit leben können. Dazu kommt dann noch, dass nur Übung den Meister macht. Jemand der 40 Stunden die Woche seine Kunsthandwerk praktiziert hat eine deutlich höhere Chance, richtig gut zu werden als jemand, der nach Feierabend und am Wochenende ein paar Stunden vor sich hin frickelt. Keine Frage, auch hier gibt es Ausnahmetalente. Es gibt unter diesen sogar manche, die wollen nicht auf ihren Brot-und-Butter-Job verzichten, da er Teil ihrer Inspiration ist.

Aber, liebe Filesharer: Respektiert die Wünsche der Künstler doch einfach. Wenn die nicht wollen, dass ihr für sie Werbung macht oder ihre Werke verteilt, dann lasst das einfach bleiben. Dann besteht auch keine Gefahr, dass ein Brief vom Anwalt kommt. Wenn ihr nichts für Kunst zahlen wollt, dann nutzt freie Inhalte. Davon haben die Künstler zwar auch kein Geld, aber ihr habt auch keinen Stress.

Wer nicht weiss, wo er CC-Inhalte findet, auf musik.klarmachen-zum-aendern.de gibt es ein paar Tipps.

Und jetzt:: Feuer frei.

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Kommentare

Da gibt es ja immer die

Da gibt es ja immer die geteilte Meinung. Die einen denken: "Ich gebe der Welt was, dass sich sonst ja eh keiner leisten kann", die Anderen "1. ist es gegen das Gesetz und 2. bleibt der Künstler ja voll auf der Strecke". Man kann beiden Meinungen was abgewinnen, aber wenn mir was gefällt, kaufe ich es doch. Bei DVDs und sowas allein schon, weil es im Regal schöner aussieht ^^

nur mal als kleine Info:

nur mal als kleine Info: Musik von Youtube laden is auch illegal (auch wenn man wahrscheinlich nie erwischt wird), das heißt am besten bei Jamendo, Bandcamp oder Noisetrade bleiben, oder halt das Stück kaufen (soo schrecklich teuer ist das ja auch nicht, und bei wirklich guter Musik bin ich auch bereit, dem Künstler mal was zurückzugeben)

Die Abmahner jagen Uploader,

Die Abmahner jagen Uploader, stimmt.
Sie nutzen dafür aber keine vor Gericht unanfechtbaren Methoden als Beweis. Spätestens seitdem wir eine Abmahnung im Briefkasten hatten, die behauptete, dass wir zu einer Zeit, zu der definitiv alle offline waren Daten verteilt hätten, die keiner auf der Platte hat, ist mir das klar.
Es ist einfach nur ein Geschäftsmodell, mit dem Abmahnfirmen an die Contentindustrie herantreten und mit höheren Einnahmen pro Download als offizielle Downloadportale bieten können locken. Es werden Abmahnugen über beliebige Daten aus den aktuellen Top-Verkäufen an Anschlussinhaber verschickt, an deren Daten man nur über eine IP (die nicht zwingend zu einem Upload gehört) und halbseidene juristische Tricks kommt, da die angeblich dokumentierten Straftaten für eine ISP-Auskunft nicht ausreichen würden. Mit ählichen Tricks wird übrigens auch die Deckelung von 100€ umgangen. Ein aktuelles Album im Seed zählt nämlich in den Augen der Abmahner schon als schwerer Fall und die Gerichte übernehmen die Vorstellung einfach. Die Abmahner wissen schon, welche Gerichte den Unsinn mitmachen, daher stehen immer die gleichen in den Abmahnungen.
Legt man einen sauberen Widerspruch ein, wird der Aufwand für die Abmahner zu hoch und Schluß - das Geschäftsmodell lohnt sich dann wohl schon nicht mehr. Solange aber durch die Masse an Abmahnungen immer wieder statistische Treffer, Leute, die sich erwischt fühlen oder ahnungslose Rentner einfach unterschreiben und bezahlen, zahlt es sich aus.
Wahrscheinlich entsteht durch diese Art von leider legalem Betrug sogar ein höherer wirtschaftlicher Schaden als durch illegale Downloads. Zumindest läßt dieser Schaden sich beziffern, wohingegen der Schaden der Industrie nur auf unseriösen Schätzungen über entgangene Käufe beruht, die aber auch durch mangelnde Qualität der "Produkte" und Entmündigung der Kunden zu Stande kommen.
Ist es in folge irgendeiner dieser Abmahnungen eigentlich schon zu einem Prozess gekommen, den die Abmahnseite gewonnen hat? Und wie steht es um den Musterprozess der Piraten?

Wenn man lädt und das, was einem wirklich gefällt auch bezahlt, sind illegale Downloads sogar moralisch vertretbar. Nur sind die Gesetzgebung und die Contentkonzerne noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen.
Die wirklichen Idioten sitzen nicht zu Hause und laden sich Bravo-Hits runter.
Die wirklichen Idioten haben Jurahörsäle überfüllt und bringen außer Abmahnungen nichts zu Stande.

Trotzdem ist es besser für den mitdenkenden Downloader, freie Inhalte zu fördern, die Entlohnung so nah wie möglich am Künstler stattfinden zu lassen und den Umweg über den Konzern möglichst zu boykottieren.

Danke für deinen

Danke für deinen ausführlichen Kommentar!

"Der Konzern" leistet auch einen nicht unbeträchtlichen Teil an Arbeit - je nach Künstler natürlich. Gerade bei den großen Stars ist es doch so, dass seine Rechteverwerter einen nicht unerheblichen Beitrag leisten. Anders sieht es natürlich bei denen aus, die Marketing und PR selber übernehmen. Da zieht das Argument nicht mehr. :)

troll harder.

troll harder.

"Filesharer sind Idioten" -

"Filesharer sind Idioten" - stimmt, besonders was Musik angeht (bei zB US-TV Serien ist das schon eine etwas andere Sache). Im Zweifel aber lieber immer über RS&co.

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