Urheberrecht und Kulturflatrate - Grüne oder Piraten?

Donnerstag waren wieder einige Mitglieder der Piratenpartei, darunter auch ich, der Einladung der Landes-AG Medien in den Frankfurter Römer gefolgt. Wir waren vor knapp zwei Monaten schon mal dort eingeladen gewesen und auch damals stellte sich die Situation etwas skurril da: Die Grünen waren der Meinung, die gleichen Ziele zu haben wie wir - und wir widersprachen heftigst. Auch in der Diskussion zu den einzelnen Punkten war nicht wirklich viel Einigkeit zu erkennen.

Das Ende vorweggenommen: Auch diesmal waren die Grünen wieder der Meinung, ja eigentlich das gleiche zu wollen wie wir. Nur der gemeinsame Nenner, auf den man sich einigen konnte (Entkriminalisierung von Filesharing) ist doch reichlich dünn. Vor allem sind die Beweggründe ganz andere. Die Grünen sehen die Kulturflatrate als goldenen Weg an, wir Piraten als - wenn überhaupt - akzeptablen Notnagel, der offline nicht funktionierende Verteilmechanismen in die Online-Welt portiert.

Für die Grünen ist der Hauptvorteil, dass Künstler mehr Geld bekommen. Für uns Piraten, dass die Nutzer mehr Freiheit bekommen. Natürlich würden die Grünen bei der Einrichtung der neuen Stelle zur Verteilung der Pauschalabgaben alles besser machen, was bei GEMA und co. seit Jahrzehnten falsch läuft. Konkrete Pläne gibt es natürlich nicht. Und was von der "Kulturflatrate" alles abgedeckt werden sollte, ist natürlich auch erstmal offen. Aber sie soll ein weiteres Standbein für das Einkommen von Künstlern werden.

Zugegeben, der piratige Ansatz "sollen die Künstler halt schauen, wie sie genug Geld verdienen, um zu überleben" ist ein wenig dünn, aber der Weg der Grünen, einfach noch mehr Geld zu kassieren und zu verteilen scheint mir noch falscher zu sein. Auch das Argument, dass ja die Einnahmen der Künstler steigen, und nur die der Plattenfirmen fallen, verhallte ungehört. Aufgrund eines sehr engagierten piratigen Sitznachbarns kam ich leider nicht dazu, von den Künstlern zu erzählen, die auch ohne Kulturflatrate ein hinreichendes Einkommen erzielen können.

Begriffsverwirrungen

Da der Referent zur Kulturflatrate etwas später gekommen war, wurde auch noch über andere Themen gesprochen. Auch hier war schnell ersichtlich, dass die Grünen sich zwar wirklich bemühen unsere Themen zu verstehen, es aber einfach nicht schaffen.

Open Access wird aus informationeller Selbstbestimmung hergeleitet und diese wiederum aus dem Informationsfreiheitsgesetz. Gefördert werden soll auch "Open Software", wobei das hauptsächlich aus Gründen des Preises passieren soll. Was natürlich dann auch gleich damit entschärft wurde, dass die Preise von Microsoft und co. auch ins bodenlose abfallen können, sobald ernsthaft rübergebracht wird, dass man sich für freie Software interessiert...

Fazit

Es ist wirklich gut, dass auch eine der etablierten Parteien sich bemüht, unsere Themen zu verstehen und umzusetzen. Aber solange noch so grundlegende Verständnisprobleme existieren, wird es auch wenig helfen, wenn wir ihnen die einzelnen Begriffe gründlich erklären. In Teilen mögen sich sogar unsere Zielsetzungen überscheiden, aber die zugrundeliegenden Motivationen sind komplett anders.

Wer also Piraten in den Parlamenten sehen möchte, muss Piraten wählen.

Trackback URL for this post:

http://blog.christian-hufgard.de/trackback/231
Your rating: Keine Average: 4.5 (2 votes)

Bewerte dies

Your rating: Keine Average: 4.5 (2 votes)