Wahl durch Zustimmung
Auf der Suche nach dem perfekten Wahlsystem wurde innerhalb der Piratenpartei schon so einiges angedacht und auch schon ausprobiert, von der guten alten Wahl mit einer Stimme über Instant-Runoff-Voting bis hin zur aktuell sehr beliebten Wahl durch Zustimmung. Wahl durch Zustimmung hat den Vorteil, dass jeder alles wählt, was er gut findet bzw womit er "leben kann". Sie soll das Problem lösen, dass sich ein Wähler scharf zwischen zwei gleichen Alternativen entscheiden muss und dann lieber zur "taktischen Wahl" greift, statt seiner Überzeugung zu folgen.
Beispiel:
Es gibt drei Kandidaten A, B und C. A und B sind polarisierend. Man liebt isie, oder man hasst sie. C dagegen ist eher ein gemäßigter Typ. Man kann gut mit ihm, aber er ist keine herausragende Persönlichkeit. A erhält in der Wahl klassischen Wahl mit einer Stimme pro Wähler 45% der Stimmen, B 40%, C 15%. Denn man muss sich ja für einen Kandidaten entscheiden und reduziert die Wahl innerlich auf A oder B. Denn C hat ja eh keine Chance.
Bei einer Wahl durch Zustimmung könnte man jetzt einen der beiden polarisierende Kandidaten wählen und zusätzlich C. Würde nur die Hälfte derjenigen, die einen polarisierenden Kandidaten wählt, auch mit dem gemäßigten "leben können", würde er 42,5% Stimmen mehr bekommen und wäre somit mit 57,5% der Stimmen klarer Sieger. Noch eindeutiger wird die Wahl, wenn es mehrere gemäßigte Kandidaten gibt, die dann die Stimmen derer, die lieber gemäßigte Repräsentanten wollen, noch stärker aufspalten. Bei einer klassischen Wahl mit einer Stimme wären sie chancenlos, bei einer Wahl durch Zustimmung sind ihre Chancen im Allgemeinen relativ gut.
Die Wahl durch Zustimmung ist insofern die richtige Wahl, wenn es das Ziel ist, einen größtmöglichen Konsens zu erreichen und fördert die Wahl gemäßigter Kandidaten - davon ausgehend, dass die, die eigentlich polarisierende Kandidaten wollen, auch für die gemäßigten stimmen. Andererseits stünde es bei einer klassischen Wahl auch jedem Wähler frei, von Anfang an für den gemäßigten C zu stimmen und sich nicht die Wahl zwischen A und B aufzwingen zu lassen.
Gleiches gilt auch, wenn konkurrierende Anträge gestellt werden. Dadurch, dass sich ein Wähler nicht mehr nur für eine Option entscheiden muss wird der Antrag gewählt, mit dem die meisten sich arrangieren können. Was auf den ersten Blick gut klingt führt aber auf der anderen Seite auch zu einer Flut an Anträgen. Denn man muss ja auch als Anstragsteller nicht mehr nur X einstellen, sondern kann auch noch X-1 und X+1 einstellen. Dies kann sinnvoll sein, wenn es viele, recht nah beieinander liegende Möglichkeiten gibt. Aber in diesem Fall wage ich zu behaupten, dass man auf X-1 und X+1 auch sofort hätte verzichten können. In einer Diskussion vor Stellung des Antrags hätte man mit Sicherheit feststellen können, welche der Varianten jetzt die mit der Chance auf höchste Zustimmung gewesen wäre. Dennoch kann man mit der Wahl durch Zustimmung die endgültige Entscheidung auch erst bei der Wahl fällen lassen, und zwar mit einem relativ geringen Aufwand.
Ich persönlich bin kein Freund der Wahl durch Zustimmung bei Kandidaten. Die Wahl polarisiernder Kandidaten sorgt dafür, dass die Anhänger der unterlegenen Seite sich um so mehr anstrengen werden, um die nächste Wahl zu gewinnen. Dies sorgt vielleicht auch dafür, dass in der einen Wahl A gewinnt, denn B und danach wieder A, aber dies bringt eine Organisation meiner Meinung nach deutlich weiter, als wenn immer nur gemäßigt gearbeitet wird. Bei der Wahl zu konkurrierenden Anträgen wiederum kann ich sie mir durchaus vorstellen - unter der Vorbedindung, dass es nur noch um die konkrete Ausgestaltung geht und die Unterschiede der einzelnen Optionen gering sind. Wenn es um komplett gegensätzliche Themen gebt, ziehe ich die klassische Wahl auch hier vor.
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from uberVU - social comments on Mo, 04/05/2010 - 11:50This post was mentioned on Twitter by piratenmond: Blog von Christian Hufgard : Wahl durch Zustimmung http://is.gd/bfl6A
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